Recovery Center - ein neues Zuhause für missbrauchte Mädchen


Jessie (Name geändert) wuchs bei ihrer Großmutter und einem Onkel auf einer nahegelegenen philippinischen Insel auf. Zu ihren Eltern hatte sie keinen Kontakt. Der Vater verschwand schon vor der Geburt seiner Tochter. Die Mutter ließ das Mädchen bei der Großmutter zurück, als die Kleine erst wenige Wochen alt war.

Rückblickend beschreibt Jessie die ersten Jahre Ihres Lebens als sehr einfach, aber nicht unglücklich.  Der Onkel bearbeitete ein gepachtetes Stück Land und die Großmutter verkaufte die kargen Erträge auf dem Markt. Da Jessie ein sehr wissbegieriges Mädchen war, empfand sie es als großes Glück, die Schule besuchen zu dürfen.

Der Wendepunkt in ihrem Leben war ihr achter Geburtstag. An diesem Tag wurde sie zum ersten Mal von ihrem Onkel vergewaltigt. Dieser Missbrauch setzte sich in den folgenden Jahren mehr oder weniger regelmäßig fort. Jessie schämte sich und wagte es nicht, sich jemandem anzuvertrauen. Irgendwann jedoch konnte sie die sexuellen Übergriffe nicht mehr ertragen und lief von zu Hause weg.

Sie floh in eine nahegelegene Stadt und schloss sich, um auf der Straße überleben zu können, einer kleinen kriminellen Gruppe an. Als sie, gerade mal 15 Jahre alt, das Angebot bekam, in einem Restaurant in Cebu City arbeiten zu dürfen, stimmte sie voller Hoffnung zu. Tatsächlich jedoch landete sie in den Fängen einer Schlepperbande, die sie in einen Barbesitzer verkaufte. Dort wurde sie zur Prostitution gezwungen. Sie wollte fliehen, kannte sich aber in der Stadt nicht aus und wusste nicht, wen sie um Hilfe bitten konnte. So ergab sie sich ihrem Schicksal, das sie nur mit Drogen überhaupt ertragen konnte.



Eines Tages wurde Jessie durch eine Freundin in einen Diebstahl verwickelt. Die Freundin bestahl einen Kunden, der für seine Dienste nicht bezahlen wollte. Die beiden Mädchen wurden verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Bei einer medizinischen Untersuchung in der Haft wurde festgestellt, dass Jessie zudem auch noch schwanger war. An diesem Punkt, an dem die junge Frau glaubte, dass es für sie keine Hoffnung mehr gäbe, erzählte ihr jemand von unserem Recovery Center. Sie erfuhr, dass in diesem Heim der Aktionsgruppe „Kinder in Not“ Mädchen wie sie die Chancen auf eine bessere Zukunft bekommen. Darin sah sie für sich und das ungeborene Baby ihre letzte Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Dank eines Sozialarbeiters, der in gutem Kontakt zu unserem Recovery Center steht, wurde das Mädchen nach vielen Gesprächen und Verhandlungen unter der Auflage einer Therapie in unserem Heim auf Bewährung entlassen.

Seit ihrer Ankunft im Zentrum zeigt sich Jessie sehr kooperativ und beteiligt sich unermüdlich an allen Programmen zu ihrer Genesung. Sie hat ihre Drogensucht überwunden und ein gesundes Kind zur Welt gebracht. Derzeit macht sie eine Berufsausbildung und ist auf einem guten Weg in ein eigenständiges Leben.

Der Schmerz und das Leid von Jessie und all den anderen Mädchen sitzen tief und der Weg der Rehabilitierung ist lang und schwierig. Daher ist das Projekt sehr teuer und erfordert von allen Mitarbeitern vor Ort einen außergewöhnlich hohen Einsatz. Da das Recovery Center keinerlei staatliche Hilfen erhält, suchen wir hier dringend Projektpaten - aber auch Einzelspenden sind uns herzlich willkommen.