tagesstätte für Favela - Kinder
Rio de Janeiro / Brasilien

In der Tagesstätte Bom Samaritano werden die Grundsteine für eine besser Zukunft gelegt.

 

Favela, das ist die portugiesische Bezeichnung für ein Armenviertel. Die erste Favela entstand in Rio de Janeiro Ende des 19. Jahrhunderts. Auf dem Hügel „Morro da Providência“ besetzten arme, überwiegend schwarze Einwohner illegal Land. Sie errichteten einfach Hütten aus Holzbrettern oder Blechplatten. Dazu kamen 1897 tausende ehemalige Soldaten, denen nach einem Feldzug gegen Aufständische der Stadt Canudos im fernen Bahia Land in Rio versprochen worden war. Als die Regierung ihr Versprechen nicht einhielt, bauten auch diese Männer auf dem Hügel, der hinter dem Kriegsministerium lag, ihre einfachen Baracken. Zu der Zeit entstand der Name Favela – nach dem Favela Busch, einer giftigen Pflanze, die die Soldaten aus dem Kriegsgebiete bei Canudos kannten.

Das war der Beginn der Teilung von Rio de Janeiro in die armen Hanglagen (morro) und die wohlhabende, asphaltieren Ebene (asfalto). Heute gehören die Armenviertel an den Hügeln der Stadt genauso zum Stadtbild von Rio Janeiro wie der Zuckerhut und die Christus-Statue.

Im Rahmen der Industrialisierung zog es immer mehr Menschen vom Land in die Stadt, weil sie dort auf ein besseres Leben hofften. Lebten 1940 noch rund 68 % der Bevölkerung auf dem Land, waren es 1980 nur noch rund 33 %. 2010 wohnten laut Zensus der brasilianischen Statistikbehörde 1,4 Millionen Menschen in einer der 763 Favelas der Stadt.

Wie sieht es in einer Favela aus?

Diese riesige Landflucht ließ die Favelas unaufhaltsam wachsen. Das schnelle und ungeordnete Wachstum der Armutsgebiete brachte einen enormen Mangel an grundlegender Infrastruktur mit sich. Bestehende Favelas wurden in den Anfangsjahren immer wieder geräumt oder saniert. Heute sind die Hütten aus Holz und Blech einfachen Bauten aus Backsteinen und Zement gewichen. Unzählige, mehrstöckige Gebäude drängen sich eng aneinander auf den Hügeln der Stadt. Erreichbar durch ein Labyrinth aus Straßen und Gassen. Inzwischen verfügen viele Gebäude über Wasser aus Zisternen und einen Stromanschluss. Ein großes Problem stellt jedoch nach wie vor das Abwasser dar. Es wird überwiegend in offenen Kanälen zwischen den Häusern abgeleitet.

Wie leben die Familien in den Favelas?

Das immense Wachstum der Favelabevölkerung führte aber auch zu enormen sozialen Problemen. Die Familien leben meist auf kleinster Fläche. Die ein oder zwei Zimmer ihrer Behausung müssen sie oft noch mit Verwandten teilen. Die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal. Viele Favelas werden von Drogenbanden kontrolliert. Mafiaähnliche Strukturen bestimmen das Leben. Gewalt und Schießereien gehören zum Alltag. Daran haben auch die Einheiten der sogenannten Befriedungspolizei (UPP – Unidades de Polícia Pacificadora) nichts geändert, die seit 2008 versuchen, die Lage in den Favelas unter Kontrolle zu bringen.
Durch Alkohol und Drogen versuchen die Väter ihren harten Alltag zu vergessen. Gewalttätigkeit und Missbrauch gegenüber ihren Frauen und Kindern sind an der Tagesordnung. Viele Frauen verdienen durch Prostitution etwas zum Lebensunterhalt dazu.

Wie hilft „Kinder in Not“?

Die Leidtragenden sind vor allem die Kinder. Unter den schwierigen Lebensbedingungen fehlt es in den Familien oft an Orientierung und Kraft für eine liebevolle Kindererziehung. Viele Mädchen und Jungen werden sich selbst überlassen, kommen früh mit dem Gesetz in Konflikt, konsumieren Alkohol und Drogen oder prostituieren sich. Sie haben keine Perspektiven und in ihren Augen steht die Hoffnungslosigkeit geschrieben.

Statistiken zeigen, dass ein Großteil der Favela-Kinder bereits in den ersten Schuljahren scheitern. In der Tagesstätte Bom Samaritano finden 100 Mädchen und Jungen in vielen Fällen zum ersten Mal in ihrem Leben ein geschütztes Umfeld. Sie können zur Ruhe kommen, erhalten ausreichende Mahlzeiten und werden auf die Grundschule vorbereitet. Aber auch die Entwicklung von Sozialkompetenz und das Erlernen einfachster hygienischer Grundregeln sind wichtige Bestandteile der Arbeit. So haben die Kleinen gute Chancen auf eine problemlose Eingliederung in die stattlichen Grundschulen.

Helfen Sie uns und spenden für die Kinder aus den Favelas in Rio de Janeiro. Egal ob in Form einer einmaligen Spende oder regelmäßig durch die Übernahme einer Projekt- oder Kinderpatenschaft - jede Unterstützung zählt!

Eine ausfühliche Projektbeschreibung zum Download als PDF finden Sie hier.

In den engen Unterkünften in den Favelas kommen die Mädchen und Jungen selten zur Ruhe

 

iele Kinder aus den Favelas sind fehl- oder unterernährt.